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 Betreff des Beitrags: Bihac in West-Bosnien August 2009
BeitragVerfasst: 05.02.2010, 22:00 
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(8.8.09)

Keine hundert Kilometer hinter Zagreb, der Zug ist schon fast zwei Stunden unterwegs, ist Kroatien zu Ende.
Am Grenzbahnhof Volinja hält er eine Ewigkeit, wovon der Lokwechsel nur einen Bruchteil der Zeit in Anspruch nimmt.
Zunächst wird mir bedeutet, dass ich die Loks nicht photographieren darf, auf meine Frage warum weiss keiner so recht zu antworten, es gibt - ohne meine Beteilung - eine längere Debatte zwischen kroatischen oder bosnischen Fahrgästen und den Uniformierten, und irgendwann kommt ein junger Mann zu mir, sicher kein Offizieller (kurzes Hose, T-Shirt, Badelatschen) und sagt nur ein Wort:
"Slikate", machen Sie Bilder.

Auf dieses Zauberwort hin klettere ich aus dem Zug (Bahnsteigkante fehlt) und lege los.


Bahnhof Volinja
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Das ist die kroatische Lok, die fährt grad weg,
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und die wird uns jetzt weiterziehen. "Eisenbahnen der serbischen Republik" steht auf der Seite.
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Wie schon angekündigt, ab jetzt darf geraucht werden - sobald der Zug fährt.

Wir überqueren die Una, die hier die Grenze bildet und mich auf dem Rest meiner Bosnienreise begleiten wird.
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 Betreff des Beitrags: Re: Bihac in West-Bosnien August 2009
BeitragVerfasst: 06.02.2010, 11:56 
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Sowohl die kroatischen als auch die bosnischen (serbischen) Grenzkontrollen waren freundlich und beschränkten sich auf einen Blick in den Pass bzw. auf die Frage, ob man etwas zu verzollen habe - wahrscheinlich würde es die ganze Routine durcheinander bringen, wenn man etwas anmelden wollte. Nach einem Schweinegrippefreiheitsattest hat niemand gefragt ...

In Bosanski Novi/Novi Grad muss ich umsteigen.
Mit den Worten "Ihr Zug" verweist man mich auf einen einsamen Waggon, an den sich während der nächsten Minuten eine altersschwache Diesellok heranschiebt.

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Auch hier, offiziell: Feuer frei !
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Aus der Einrichtung sowie der Beschilderung in Französisch, Deutsch und Italienisch (die in der Landessprache ist erkennbar nachträglich eingefügt) kombiniere ich, dass es sich bei dem "Zug" um einen ausgedienten Liegewagen der Schweizerischen Bundesbahn handeln dürfte, Baujahr kurz nach dem 2. Weltkrieg.
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Für Lüftung ist gesorgt (by the way: Die Toilette hab ich nicht aufgenommen, man will ja nicht unhöflich sein) ...
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und wer mehr Luft braucht, öffnet die Tür und hängt die Beine raus.
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Vor jeden der zahlreichen Bahnübergänge geht der Zug auf Schrittgeschwindigkeit herunter, die Lok laesst ein ohrenbetäubendes Getöse hören, bevor sie wieder Fahrt aufnimmt - natuerlich nicht allzuviel, schliesslich will man während der Fahrt ja auch das wunderschöne Una-Tal gebührend bewundern. Für Photofreunde ist das eine Super-Strecke !
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Zuletzt geändert von Lefteri am 09.02.2010, 22:58, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Bihac in West-Bosnien August 2009
BeitragVerfasst: 08.02.2010, 06:59 
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Hier hab ich einen interessanten Link über die Una gefunden - man kann auch alles mögliche andere
über bosnische Städte/Flüsse/Sehenswürdigkeiten finden :link:


Aber jetzt zu meiner Reise (Stand: 8.8.09)

Der Bahnhof von Bosanska Krupa sieht ziemlich fertig aus,
und die hellgrauen Güterwagen werden irgendwann im Gestrüpp verschwinden ...
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Nach ca. 45 km und knapp zwei Stunden fährt der Zug pünktlich in Bihac ein;
der Bahnhof sieht nicht viel besser aus als die unterwegs, aber man baut dran.
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Alles was sich hier derzeit an Personenverkehr bewegt, ist dieser "Zug", der zweimal täglich nach Bosanski Novi fährt, um den Anschluss an den "Trans-Bosnien-Express" zu gewährleisten. Allein ein verdächtig neu aussehendes
(nachgedrucktes ?) Plakat erinnert an bessere Zeiten, indem es die Abfahrzeiten der Züge aus Bihac nach Split an die Adria, nach Zagreb, nach Belgrad und bis an die österreichische Grenze wiedergibt ...
Oben ist die Gültigkeit dieses Plans angegeben: 1. Juni 1991 bis 31. Mai 1992.

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Vor dem Bahnhof ist tote Hose, kein Taxi, kein Bus, nicht mal ein alter Mann, der sich als Gepäckträger anbieten würde (was man an anderen Städten gelegentlich antrifft). Die Entfernung Bahnhof - Innenstadt variiert auf Frage zwischen einem und drei Kilometern, die Wahrheit liegt etwa in der Mitte.

Auf dem Busbahnhof, an dem man vorbei kommt, ist deutlich mehr los. Da bin ich aber schon so nah an der Innenstadt, dass sich ein Taxi nicht mehr lohnt. Dort in der Nähe bekomme ich auch meine erste Mahlzeit in Bosnien, ein Pizza mit fast allen üblichen Zutaten drauf, die "kleine" für sechs Mark reicht vollkommen für mich.

Dann rumpelte ich mit meinem Rollkoffer auch schon über die hölzerne Fußgängerbrücke (Die Autobrücke zur Innenstadt ist wegen Bauarbeiten gesperrt bis zum Herbst 2009), überquere den Platz, der bis vor kurzen Trg Marsala Tita (Marschall-Tito-Platz) hiess und jetzt in Trg Slobode (Freiheitsplatz) umgetauft wurde, an dessen oberem Ende sich mein Hotel (rotes Gebäude) befindet.

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Wenn man davon absieht, dass die Hotelzimmer im 2. Stock sind, ohne Aufzug, war das Avlija eine Superempfehlung (von Alen aus dem Balkan/Bosnienforum). Preis pro Nacht incl. Frühstück 52 Mark oder 27€, die Leute total nett, wuschen mir sogar meine Wäsche. Dusche und Klo auf dem Zimmer, und als besonderes Extra ein paar Filzpantoffeln im Zimmer.

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 Betreff des Beitrags: Re: Bihac in West-Bosnien August 2009
BeitragVerfasst: 09.02.2010, 17:08 
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Lieber Lefteri,

sehr schöne Bilder und Informationen zum Land des Monats Februar 2010.

vielen Dank dafür.

Ob ich da jemals hinkomme......?

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 Betreff des Beitrags: Re: Bihac in West-Bosnien August 2009
BeitragVerfasst: 09.02.2010, 22:52 
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Danke für das Danke, dabei bin ich noch gar nicht fertig.
Zitat:
Ob ich da jemals hinkomme......?

Es ist zumindestens näher als die DomRep :wink:



(9.8.09)

Hab bei geschlossenem Fenster geschlafen, wegen des Diskolärms vom anderen Una-Ufer. Den gibt's jeden Tag, nicht nur am Wochenende. Vielleicht ist es im Winter leiser. Die Hotelfenster sind aber so gut isoliert, dass man bei schlossenem Fenster gut schläft.

Von meinem Fenster aus sieht man die Una,
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wenn man den Platz überquert hat, steht man schon fast an der Brücke
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und mein "Stammlokal", das Gurman, in dem es keine Speisekarte gibt,
sondern die Wirtin sagt was sie hat, ist auch nur ein paar Schritte weiter weg.
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Den Turm der Kirche Sveti Ante (St. Anton) sieht man schon von weitem, wenn man auf die Stadt zukommt. Mehr als der Turm ist allerdings seit dem 2. Weltkrieg nicht mehr übrig. Damals war Bihac zeitweise Hauptstadt der von den Partisanen Titos befreiten Gebiete Jugoslawiens, wurde aber später von deutschen Truppen besetzt und weitgehend zwerstört.
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Besser hat die Fethija-Moschee die letzten drei Kriege überlebt.
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Die Einschläge aus dem letzten Krieg, in dem Bihac vier Jahre lang belagert und beschossen wurde,
sind, auch wenn man schon vieles repariert hat, noch deutlich zu sehen.
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 Betreff des Beitrags: Re: Bihac in West-Bosnien August 2009
BeitragVerfasst: 10.02.2010, 20:56 
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Ein schöner Bericht, besonders der "Zug" ist interessant für mich. Die sache mit den Filzpantoffeln ist gut, kenne ich persönlich nur aus dem Iran, da hat man auf dem Zimmer immer Badelatschen, die man anschliessend natürlich auch behalten kann.
Ein Besuch Bosniens ist für mich vermutlich nicht drin, sodass ich den Bericht besonders geniesse.

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 Betreff des Beitrags: Re: Bihac in West-Bosnien August 2009
BeitragVerfasst: 11.02.2010, 16:55 
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Jetzt wo Du es sagst ilja: Die Sache mit den Filzpantoffeln erinnert mich doch glatt an meinen Spreewaldurlaub im vergangenen Sommer.

Da wurden in der Ferienwohnung auch solche kostenlos zur Verfügung gestellt.

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 Betreff des Beitrags: Re: Bihac in West-Bosnien August 2009
BeitragVerfasst: 11.02.2010, 23:27 
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Vielleicht hätte ich die bequemen Filzlatschen sogar behalten oder gegen ein paar Konvertible Marke mitnehmen dürfen ?
Leider hab ich zu fragen vergessen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Bihac in West-Bosnien August 2009
BeitragVerfasst: 13.02.2010, 10:32 
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Scheinbar nur wenige Kilometer entfernt von Bihac liegt die Burgruine Sokolac.
Mein Taxifahrer fährt trotzdem ca. 20 Minuten und verlangt 15 Mark, d.h. es werden 12-14 km sein, und es ist eine ordentliche Kurverei (zu Fuß isses etwas weniger). Unterwegs kommen wir an einem neu angelegten großen Friedhof vorbei, das ist der Extrafriedhof für die Kriegsopfer 1992-95, als Bihac belagert wurde. Zeitweise seien serbische Truppen bis zur Burg Sokolac vorgedrungen sein und hätten von dort aus mit ihrer Artillerie auf Bihac geschossen, erzählt der Fahrer - da ist es vielleicht doch gut, dass die Ruine etwas weiter weg von Bihac gelegen ist.
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An einem steilen Fußweg werde ich herausgelassen - kaum bin ich ausgestiegen, kommt ein alter Mann und zeigt mir einen besser begehbaren d.h. breiteren und nicht so steilen Weg.
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Der Weg könnte von einem Traktor oder Geländewagen befahren werden und man kann ihn gut wandern - da ich nicht weiss, ob hier einmal Minen waren, achte ich darauf, den Weg nicht zu verlassen, weil ich denke, auf einem Weg werden in den 14 Jahren seit Kriegsende so viele Leute gegangen sein, dass zumindestens auf dem Weg keine Minen mehr sind. Zumal mir der Taxifahrer oder der Alte sonst etwas gesagt hätten, denke ich mal.
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Die Aussicht ist beeindruckend.
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Daran, dass die Burg Sokolac eine Ruine ist, sind ausnahmsweise weder die Nazis noch die Serben oder eine andere Balkankriegspartei schuld - das ist schon ein paar Jahrhunderte früher passiert - aber wer oder wann das war, hab ich bisher nicht herausbekommen.

Auf jeden Fall geht's hier rein ...
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und hier wieder raus bzw. weit runter, wenn man nicht aufpasst.
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Inzwischen bin ich wieder den Burgberg hinabgeklettert, jetzt über den schmalen und steilen Weg, den mir der Taxifahrer gezeigt hat. Das Dorf am Fuß der Burg heisst ebenfalls Sokolac.
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Die im Krieg zerstörte Moschee ist wieder aufgebaut - daneben steht ein Denkmal für die Kriegsopfer aus dem Dorf,
wie an vielen Orten in Bosnien oder Kroatien - Serbien wohl auch, da habe ich's nur nicht selbst gesehen.
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 Betreff des Beitrags: Re: Bihac in West-Bosnien August 2009
BeitragVerfasst: 14.02.2010, 11:39 
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Aufgrund meines Gastspiels in dieser Region 1975 wollte ich doch einmal nach Ripac, dem Dorf, in dem ich zwei Tage zugebracht hatte, als deutscher Tourist für die Dorfkinder die Attraktion war, und von wo ich mit einheimischen Bekannten, zu denen ich leider auch den Kontakt verloren habe, per Schlauchboot die Una hinunter geschippert bin, über Bihac bis Bosanska Krupa.
Der Taxifahrer, dem ich das erzähle, fragt nach: "Ah - Rafting ?"

Rafting - im Prinzip ja.
Heute sieht man immer wieder Kanufahrer auf der Una. Nur damals war das total unüblich, unsere beiden Boote waren die einzigen weit und breit, und das Wort Rafting kannte niemand.

Wir fahren also nach Ripac - ca. 10 km von Bihac entfernt - und stoppen an einer Bushaltestelle. Der Fahrer fragt, ob die jungen Männer, die neben dem Kiosk ihr Bier trinken, jemand aus dem Ort kennen, der schon vor 35 Jahren in Ripac gewohnt hat. Schliesslich fällt mir der Name Meho Dupanovic ein, bei dem ich übernachten durfte, und der mit mir und zwei deutschen Campern Bier, Slivovitz und Kruskovaca trinkend in gebrochenem Deutsch seiner- und gebrochenem Kroatisch meinerseits diese Nacht zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht hatte.

Meho Dupanovic - den gibt's noch, sagen sie, und laden mich zu einem Bier ein.
Du musst über drei Brücken gehen und dann links.
Der Taxifahrer hat mir seine Handynummer hinterlassen und ist inzwischen weg.

Erstmal verpasse ich die Abzweigung und lande an der wieder aufgebauten Moschee. Dort findet sich an der Gedenktafel für die Kriegsopfer der Name Dupanovic viermal, Meho ist nicht dabei.

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Neben der Una geht ein Fußweg die Una hinunter. Ruinen sieht man nur noch vereinzelt, die Bautätigkeit ist enorm, und viele Häuser sehen (schon wieder ?) richtig schmuck aus.

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Zwischen den Inseln gibt es ein Restaurant - wie ich später erfahre, stand dort früher die alte Wassermühle, in deren Ruine ich damals beinahe übernachtet hätte.

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Hinter der zweiten Brücke frage ich einen alten Mann nach Mehos Haus, er kommt mit, und nach einigem Suchen haben wir es gefunden. Er klingelt, und schliesslich kommt ein Mann Mitte siebzig heraus.
Ich stelle mich vor und erkläre, dass ich vor 34 Jahren einmal seine Gastfreundschaft geniessen durfte.
Er erinnert sich an nichts, und schliesslich stellt sich heraus, dass er zu dem fraglichen Zeitpunkt nicht in Ripac war.
Es gibt noch einen Meho, das heisst, es gab ihn.
Mein Begleiter meint, er sei zu Beginn des Krieges erschossen worden, wie so viele in Ripac.

Ich verabschiede mich von den beiden und gehe in gedrückter Stimmung Richtung Restaurant zurück. Die Schönheit der Umgebung kann ich zu diesem Zeitpunkt nicht so recht geniessen.

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Ich komme mir vor wie einer, der 1925 eine Nacht in der Dresdener Innenstadt verbracht hat, und 1959 wieder kommt,
um seinen Gastgeber zu suchen - da wo kein Stein mehr auf dem andern geblieben ist.

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 Betreff des Beitrags: Re: Bihac in West-Bosnien August 2009
BeitragVerfasst: 14.02.2010, 12:17 
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ilja hat geschrieben:
Ein schöner Bericht, besonders der "Zug" ist interessant für mich. Die sache mit den Filzpantoffeln ist gut, kenne ich persönlich nur aus dem Iran, da hat man auf dem Zimmer immer Badelatschen, die man anschliessend natürlich auch behalten kann.
Ein Besuch Bosniens ist für mich vermutlich nicht drin, sodass ich den Bericht besonders geniesse.


Für mich vermutlich wohl auch nicht (aber man weiß ja nie).

Stimmt Ilja, ist wirklich ein sehr schöner Bericht - zu Lefteri lächel - und er ging noch prima weiter!

War für mich bis jetzt sehr, sehr Eindrucksvoll, aber auch ein Wechselbad von Gefühlen.

Die Landschaftbilder, da blieb mir z.T. der Mund vor staunen offen.
Die Gebäude, da auch, aber meistens weil ich erschrocken war. Sie sehen z.T. so zerhaut aus, das ich vermutlich etwas Angst vor einem möglichen Einsturz gehabt hätte.
So wie Du, lieber Lefteri, hätte ich es wohl nicht genießen können - eben weil ich ängstlicher bin.
Um so Dankbarer bin ich für Deine Schilderungen hier!

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 Betreff des Beitrags: Re: Bihac in West-Bosnien August 2009
BeitragVerfasst: 14.02.2010, 16:33 
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Schnuppi hat geschrieben:
Um so Dankbarer bin ich für Deine Schilderungen hier!

Da ich wohl nie nach Bosnien Herzegowina komme (aber nur weil ich die Anreise noch scheue) bin ich auch sehr dankbar für die schönen Bilder und Schilderungen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Bihac in West-Bosnien August 2009
BeitragVerfasst: 14.02.2010, 18:06 
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Und weiter geht es mit einem beeindruckenden Erlebnisbericht.
An der Burgruine sind sicher noch die Byzantiner schuld, denke ich mal, umso beeindruckender, daß die Serben, wenn sie schon mal da waren, die Burg nicht komplett abgetragen haben, um die Steine als Wall oder so zu benutzen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Bihac in West-Bosnien August 2009
BeitragVerfasst: 14.02.2010, 21:57 
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Mit den Byzantinern könntest Du Recht haben, Ilja, vielleicht waren es auch die Türken.
Ansonsten überschätzt Du die serbische Armee, was Organisation betrifft. Die können wohl Trümmer hinterlassen, siehe auch das Video, das 1995 nach der Befreiung durch die bosnische Armee gedreht wurde:
*** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar, zum Login. ***
Das Dorf Sokolac ist ein einziger Trümmerhaufen ...
Von den Zerstörungen sieht man übrigens nicht mehr viel, zum Glück.

Wie eine zuvor besser erhalten gewesene Burg nach mehreren Jahren Krieg (Ostrozac, ebenfalls serbisch besetzt) aussieht, das kommt noch.

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