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 Betreff des Beitrags: Bis 1989: Im Transit nach Berlin
BeitragVerfasst: 07.01.2011, 23:16 
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Berlin ist immer eine Reise wert

Von 1945 bis 1972, danach bis 1989 etwas weniger, war es ein größerer Angang, von Westdeutschland nach Berlin zu gelangen, da man durch die DDR musste.
Bis 1972 wurde man regelmäßig gefilzt, musste - als Autofahrer - Straßenbenutzungsgebühr bezahlen, bekam für 1 Berlinfahrt eine ganze Pass-Seite vollgestempelt und musste bei Ein- wie bei Ausreise stundenlange Wartezeiten in Kauf nehmen.

1972 wurde ein Transitabkommen geschlossen, man wurde im Regelfall nicht mehr kontrolliert (nur noch der Pass), einmal Berlin und zurück brachte nur noch 4, später 2 kleine Stempelchen (Bildquelle: Wikipedia), und die Wartezeit reduzierte sich auf 30 - 60 Minuten im Regelfall.
Ein gewisser Nervenkitzel blieb.

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 Betreff des Beitrags: Re: Bis 1989: Im Transit nach Berlin
BeitragVerfasst: 08.01.2011, 14:48 
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Schade. Mein Pass mit den vielen bunten DDR-Grenzstempeln existiert leider nicht mehr. Eine kleine Geschichte fällt mir dabei ein. Ich war mit meinen Eltern bei Verwandten und beim Abfahren war es immer so, dass wir Lebensmittel mitbekamen. Kartoffeln, Eier, mal eine Ente etc. An der Grenze nach West-Berlin (wir machten noch einen Abstecher zur Tante) bemerkte der Vopo den Sack mit Kartoffeln und fragte ganz erstaunt was das soll. Da sagte meine Mutter, "So gute Kartoffeln gibt s bei uns nicht". Der Vopo sagte darauf hin "Kofferraum zumachen, weiterfahren". Und schmunzelte bei der Rückgabe der Papiere.

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 Betreff des Beitrags: Re: Bis 1989: Im Transit nach Berlin
BeitragVerfasst: 10.01.2011, 23:47 
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Ich hab noch ein paar Stempel, irgendwo. Wobei man in der Wendezeit (nachdem der 25DM-Pflichtumtausch weggefallen war) in Berlin Stempel sammeln konnte wie ein Verrückter ...


Als Student und Klapperkistenfahrer hatte man auf der Transitstrecke eine Sicherheit:
Auch wenn das Auto liegen bleibt - raus aus der DDR kommt man immer, samt Auto.
Auf einer Westautobahn hätte ich dann schlechtere Karten gehabt, deshalb nutzte ich bei Berlinfahrten immer die längstmögliche DDR-Strecke.

Die Volkspolizei fackelte im Fall einer Panne nicht lang und nötigte ahnungslose "Westbürger" zum Schleppen, zur Pannenhilfe oder zur Herausgabe benötigter Ersatzteile. Dies war sogar mal Thema eines "Tatort"-Krimis, in dem die Vopo den eh schon unter Zeitdruck stehenden Marius Müller-Westernhagen dazu verdonnerte, einem Senioren den Reifen zu wechseln ...

Ich kam 1974 in den Genuss dieser Regelung, als mir kurz vor Potsdam der Gaszug riss.
Ein VW-Busfahrer hatte noch vor Eintreffen der - ausnehmend freundlichen - Volkspolizisten von sich aus gehalten ("Das erlebt man aber selten, dass ein Westbürger dem anderen hilft") und montierte mein morsches Schleppseil, das schon nach einigen Metern riss.

Während die erste Streifenwagenbesatzung den VW-Bus wieder einfing, stoppte die zweite einen mir bis heute unbekannt gebliebenen "Westbürger" und knöpfte ihm sein nagelneues Drahtschleppseil ab, das ich danach noch Jahre in Besitz hielt -
das Auto, zu dessen Bergung es gedient hatte, war derweil schon längst Schrott ...

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 Betreff des Beitrags: Re: Bis 1989: Im Transit nach Berlin
BeitragVerfasst: 12.01.2011, 23:06 
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Sammeltransport

Durch die DDR im Transit nach West-Berlin fuhren die meisten ungern allein, weshalb die Bereitschaft, Tramper mitzunehmen, größer war als sonst (inzwischen sind Tramper so selten geworden, dass man diese Spezies unter Artenschutz stellen müsste).

Andererseits musste man Verkehrsregeln beachten, die zwar im Westen auch galten, aber nicht so genau genommen wurden, wzB. KFZ-Schein dabei haben
Zitat:
Ei wo isser denn schon wieder ??! Bild

oder nicht mehr Leute ins Auto stopfen als zugelassen.
So passen auf den Rücksitz eines Renault R 4 3 Normalgewichtige, und nicht nur 2, wie erlaubt.
Wer R4 nicht mehr kennt - hier ist genau so ein roter wie ich hatte, wenn man davon absieht, dass bei diesem der Auspuff nicht ganz dicht ist, und das Video klemmt.

So fuhr ich also mit meinem Bruder Anfang der 80er von Frankfurt/Main gen Berlin, in besagtem R4. Unterwegs wurden wir von einer anderen R4-Besatzung - 5 Frauen - angesprochen, ob wir nach Berlin führen und eine von ihnen aus den o.g. Gründen mitnehmen könnten. Wir bejahten beides, eine der Frankfurterinnen stieg um, so waren wir drei.

An der Raststätte Seesen wurden wir von zwei 15-jährigen Punkerinnen angefleht, ob wir sie nicht nach Berlin mitnehmen könnten - es sei kalt, und sie warteten schon so lang. Wir sagten dies bis zur letzten Raststätte vor der Grenze zu, weiter nicht, wg. der o.g. Vorschrift (platztechnisch wär es angesichts der Unterernährung der Beiden sowie des geringen Gepäcks - 1 Plastiktüte - kein Problem gewesen).
Momentan waren wir also fünf - eine/r zuviel.

Kurz vor Braunschweig (letzte Raststätte !) winkten wir einen VW-Bus, der uns vom Outfit her so aussah, als würde er Tramperinnen mitnehmen, auf einen Parkplatz. Grundsätzlich war der von uns unkonventionell gestoppte Fahrer auch bereit dazu, hatte allerdings nur noch einen "legalen" Platz. Also wechselte die Frankfurterin wieder das Fahrzeug ...
Jetzt waren wir ordnungsgemäß vier, und somit DDR-Transit-fähig.

An der Grenze ein kleines Missverständnis auf die obligatorische Frage, ob wir Kinder dabei hätten, was wir verneinten (ich spürte schon den heissen Atem der Punkerinnen im Nacken). Die DDR-Grenzer waren im Transit inzwischen toleranter geworden und sahen mir das nicht weiter nach, akzeptierten auch die Personalpapiere unserer Mitreisenden, obwohl die Passbilder mit dem aktuellen Äusseren nicht mehr das Geringste zu tun hatten.

Der Rest der Fahrt verlief störungsfrei.
Lediglich in Drewitz (DDR-Ausreise-Kontrollpunkt) trafen die Frankfurterinnen wieder auf uns, wollten wissen, wo ihre Mitstreiterin geblieben sei, und waren "not amused" ...

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 Betreff des Beitrags: Re: Bis 1989: Im Transit nach Berlin
BeitragVerfasst: 13.01.2011, 22:13 
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Pflichtumtausch

Wenn man in die DDR fuhr, musste man pro Tag 25 DM umtauschen, die man nicht zurücktauschen, aber auch nicht mehr über die Grenze mitzurücknehmen konnte. Angesichts der niedrigen Preise für das, was man als einfacher Tourist dort verbraten konnte, war es kaum möglich, in einem Tag dieses Geld auszugeben, insbesondere wenn man nur nach Ost-Berlin fuhr, und keine Übernachtungs- oder Bahnkosten anfielen.

Wir hatten einige Verwandte in Ost-Berlin.
Bei denen richteten wir eine Kasse ein, wo wir das nicht verbrauchte Ostgeld deponierten. Jeder unserer Geschwister oder deren Freunde hatten darauf Zugriff und konnten es für Bücher etc. ausgeben (es gab in der DDR einiges an Büchern, was im Westen schwer zu kriegen war).
Sogar als diejenigen, bei denen sich die Kasse aktuell befand, und die einen Ausreiseantrag gestellt hatten, diesen plötzlich genehmigt bekamen und daraufhin innerhalb von 24 Stunden die DDR verlassen mussten (das war so üblich !), transferierten sie die Kasse noch schnell an einen anderen Verwandten, so dass das System weiterhin funktionierte ...

Im Transit musste man übrigens nichts tauschen. dafür konnte man für DM in DDR-Raststätten essen, für einen Minimalpreis (z.B. Suppe für weniger als 2 DM, ordentliches Mittagessen für weniger als 5 DM). dafür musste man warten, bis man einen Platz zugewiesen bekam, man durfte sich nicht einfach irgendwo hinsetzen.

Das "Platzieren" war in DDR-Gaststätten übrigens allgemein üblich.
Auch dies -nach der Wende- Thema einer "Polizeiruf"-Folge:


Da verpasst einer die Wende im DDR- und nachher BRD-Knast, weil er 10 Jahre absitzen muss.
So um 1992 kommt er raus, geht in Leipzig in ein vollkommen leeres Restaurant und bleibt am Eingang stehen.
Der Kellner ruft ihm vom anderen Ende des Saales zu:
"Nehmen Sie doch Platz !"
Der Ex-Knacki, verwirrt:
"Wird denn hier nicht mehr platziert ?"


Open-Air-Grill und Tapeziertische

Zwischen Wende (9.11.1989) und Währungsunion (1.7.1990) hatten die DDR-Autobahn-Raststätten Flaute, und daran waren findige Jung-DDR'ler schuld: Die standen auf fast jedem Parkplatz mit einem Holzkohlegrill plus Tapeziertisch und verkauften Selbstgegrilltes oder -gekochtes für wenige DM (was vor der Wende in der DDR strengstens verboten war, bei uns im Westen sowieso), bei kräftiger Unterbietung des ohnehin schon günstigen DDR-Raststättenpreises.

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