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 Betreff des Beitrags: Die Geschichte Portugals
BeitragVerfasst: 03.10.2008, 16:09 
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2000 vor bis 1000 nach Christus

Ab 2000 v.Chr. wanderten die Iberer wahrscheinlich aus Nordafrika nach Portugal ein. Ab 1200 v.Chr. wurden von den Phöniziern und ab 700 v.Chr. von den Griechen Kolonien gegründet. Ab 600 v.Chr. wanderten Kelten ein, die sich mit den Iberern vermischten (Keltiberer). Zu diesen gehört auch der Stamm der Lusitaner, der im Lateinischen unter den Römern namensgebend für das Land werden sollte.

Ab 450 v.Chr. wurde das Gebiet von Karthago erobert und nach dem zweiten Punischen Krieg an Rom abgetreten. Unter den Römern wurde es mit dem Namen Lusitanien zur Provinz des Imperium Romanum. Es war unter das römische Gebiet Hispania eingegliedert, das damals von keinen Grenzen durchzogen war. Die römische Herrschaft endete in der Völkerwanderungszeit; Sueben (ab 409) und vor allem Westgoten (ab 416) gründeten ihre Reiche auf dem Gebiet des späteren Portugal.

711 eroberten die Araber das Land, und Portugal wurde Teil des Kalifats von Córdoba. Von Asturien aus nahm der Gotenherzog Pelagius (Don Pelayo) 722 die christliche Wiedereroberung (Reconquista) auf; die Araber wurden von da ab bis 1492 von der iberischen Halbinsel vertrieben.

11. - 18. Jahrhundert

Portugal wurde als eigenständige Grafschaft im 11. Jahrhundert gegründet ("Condado Portucalense", Grafschaft von Portucale); diese fiel 1093 an Heinrich von Burgund, den Stammvater der ersten portugiesischen Königsdynastie. Unter Heinrichs Sohn und Nachfolger Alfons I erlangte das Land 1143 seine Unabhängigkeit, Alfons nahm den Königstitel an. (Die Burgunder herrschten bis 1383 in Portugal.) 1211 wurde das erste Ständeparlament (Cortes) einberufen, 1250 war die Reconquista in Portugal mit der Eroberung der Algarve abgeschlossen, 1256 wurde die Hauptstadt nach Lissabon verlegt.

1383 starb das Haus Burgund in Portugal aus, der nichteheliche Abkömmling Johann von Avis rief sich zum König aus, konnte kastilische Ansprüche auf den portugiesischen Thron in der Schlacht von Aljubarrota (1385) abwehren und gründete die zweite portugiesische Dynastie, das Haus Avis. Die Avis-Könige (besonders Emanuel I - er herrschte von 1495 bis 1521) führten das Land zu höchster Blüte. Portugal stieg zur führenden Handels- und Seemacht auf, erwarb Kolonien in Südamerika, Afrika, Arabien, Indien und China, das Land wurde Weltmacht und reichste Nation Europas. Auch kulturell kam es zu einer Blütezeit (Luís de Camoes). Durch große Entdeckungsfahrten ab 1415 (Heinrich der Seefahrer, Vasco da Gama) wurde Portugal im 15. und 16. Jahrhundert die führende See- und Kolonialmacht Westeuropas.

1580 starb das Haus Avis aus und Portugal fiel an Spanien. Bis 1640 herrschten die Spanier, Portugal verlor seine Unabhängigkeit, sank zur spanischen Provinz ab, verlor Teile seines Kolonialreichs. 1640 führte der Herzog von Braganza eine Adelsrevolte gegen die spanische Herrschaft auf und rief sich als Johann IV zum König aus. Er gründete die vorletzte portugiesische Dynastie, das Haus Braganza. Die Dynastie Braganza herrschte von 1640 bis1910 (zuletzt als Königshaus Sachsen-Koburg-Braganza) und regierte von 1822 bis 1889 auch in Brasilien.

1755 vernichtete ein Erdbeben große Teile der Hauptstadt Lissabon, der Marques de Pombal baute die Stadt wieder auf und formte das Land mit zum Teil drastischen Methoden zu einem absolutistischen Staat um.

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Zuletzt geändert von Lefteri am 03.10.2008, 16:17, insgesamt 2-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 03.10.2008, 16:11 
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19. Jahrhundert bis 2. Weltkrieg

1807 besetzten napoleonische Truppen das Land, die königliche Familie floh nach Brasilien. Nachdem die Franzosen mit britischer Hilfe vertrieben wurden, kam es zur liberalen Revolution, das Land erhielt 1821 seine erste Verfassung. Der sich anschließende Kampf zwischen den Anhängern des Absolutismus und denen einer konstitutionellen Monarchie wurde erst durch den Sieg der letzteren im Miguelistenkrieg entschieden.

Die Zeit nach dem Ende des Miguelistenkrieges wurde von der Auseinandersetzung zwischen Rechts- und Linksliberalen (Cartisten und Setembristen) geprägt. 1853 starb mit Königin Maria II das Haus Braganza in direkter Linie aus, über die Ehe der Königin mit Ferdinand II von Sachsen-Coburg-Gotha übernahm der portugiesische Zweig dieses deutschen Adelshauses den Thron (bis 1910). Die Endphase der Monarchie war durch eine allgemeine Schwäche des Landes, wirtschaftliche Probleme (Staatsbankrott 1891) und zunehmende republikanische Aufstände geprägt. 1908 wurden der König (Karl I) und der Thronfolger bei einem Attentat getötet, 1910 wurde die Republik ausgerufen.

Im März 1916 trat das Land in den 1. Weltkrieg ein und kämpfe bis 1918 gegen das Deutsche Reich. Portugal mobilisierte dafür bis zu 100.000 Soldaten, von denen ca. 7.000 bis zum Ende des Krieges fielen. Die erste Republik (bis 1926) war durch anarchische, chaotische Zustände geplagt; monarchistische und kommunistische Aufstände, Putschversuche, schwache, häufig wechselnde Regierungen ohne parlamentarische Mehrheit und eine allgemeine politische Instabilität kennzeichneten die Lage des Landes.

1926 putschte das Militär und beendete die erste Republik. Unter den Militärs stieg ein Zivilist, António de Oliveira Salazar, ab 1928 Finanzminister, ab 1932 Ministerpräsident, zur Macht auf. Er gründete ab 1933 den "Estado Novo", den neuen Staat, ein autoritäres Gebilde mit faschistischen Tendenzen, komplett mit Einheitspartei (Nationale Union), Staatsjugend und Geheimpolizei (PIDE).

Im 2. Weltkrieg blieb das Land neutral, erlaubte aber den Alliierten die Einrichtung von Militärbasen auf den Azoren. 1943 schloss es den Iberischen Pakt mit Spanien. Nach Kriegsende trat das Land der NATO bei. 1949 trat es dem Nordatlantikpakt bei.

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BeitragVerfasst: 03.10.2008, 16:14 
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Kolonialkrieg und Nelkenrevolution

Ab 1960 begann der Kolonialkrieg, der besonders in Afrika (Angola, Mosambik, Guinea-Bissau) mit großer Härte geführt wurde. 1968 musste Salazar aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten, sein Nachfolger, Marcello Caetano, konnte sich jedoch nicht zu grundlegenden Reformen entschließen. Durch den Kolonialkrieg sah sich Portugal außenpolitisch zunehmend isoliert, die Kosten des Krieges führten zu steigender Staatsverschuldung und Inflation.

Wegen der Unfähigkeit der Regierung, eine politische Lösung zu finden, putschte das Militär schließlich 1974. Eine allgemeine Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der Diktatur, durch die einsetzende Wirtschaftskrise (hervorgerufen durch die erste Ölkrise 1973) noch verstärkt, führte dazu, dass sich die Bevölkerung massenhaft mit den putschenden Offizieren solidiarisierte, es kam zu einer allgemeinen Volkserhebung, der Nelkenrevolution, die den Estado Novo beendete. Die neuen Machthaber entließen die portugiesischen Kolonien (ab 1974) in die Unabhängigkeit. Das war das Ende des jahrhundertealten portugiesischen Kolonialreichs.



Das dreimalige Abspielen dieses Lieds in der Nacht zum 25. April 1974 im Radio war der Code,
mit dem die Revolution ausgelöst wurde.


Die erste Phase nach der Revolution war geprägt von der Auseinandersetzung zwischen einer eher konservativen Strömung (General Spínola) und einem sozialistischen Flügel (Hauptmann Otelo), innerhalb des MFA (Movimento das Forças Armadas - Bewegung der Streitkräfte), der Vereinigung der putschenden Offiziere. Zunächst sah es so aus, als obsiegte die sozialistische Strömung, es kam zu Verstaatlichungen und Landreformen, die neue Verfassung von 1976 bezeichnete den Übergang zum Sozialismus als Staatsziel.

1976 bis heute

Als sich bei den ersten Präsidentschaftswahlen nach der neuen Verfassung 1976 der gemäßigtere General Eanes überraschend deutlich gegen Hauptmann Otelo durchsetzen konnte, waren die Weichen für eine Rückkehr des Landes zu einer parlamentarischen Demokratie gestellt. Eanes und der Vorsitzende der Sozialistischen Partei Mário Soares (Regierungschef von 1976 bis 1978 und 1983 bis 1985, Staatspräsident von 1986 bis 1996) führten das Land schließlich 1986 in die Europäische Gemeinschaft.

Bei den Parlamentswahlen vom 17. März 2002 kam es zu einem neuerlichen Rechtsrutsch. Mit einer Wahlbeteiligung von über 60 % erreichte die konservative PSD unter José Manuel Durao Barroso eine relative Stimmenmehrheit von 40,1 %, gefolgt von der sozialistischen Partido Socialista und der rechtskonservativen Volkspartei Partido Popular (PP) mit 37,9 bzw. 8,8 %. Mit letzterer bildete Barroso eine Koalitionsregierung.

2004 wurde Barroso vom Europäischen Rat zum Nachfolger Romano Prodis als Präsident der Kommission der EU nominiert. Sein Nachfolger als Ministerpräsident wurde Pedro Santana Lopes, der aber nur kurze Zeit regieren konnte, da der Präsident bereits im November das Parlament vorzeitig auflöste und für Februar 2005 Neuwahlen ausschrieb, bei der die Partido Socialista zum ersten Mal in der Geschichte eine absolute Mehrheit errang. Ihr Spitzenkandidat José Sócrates ist seit 12. März 2005 neuer Ministerpräsident.

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BeitragVerfasst: 05.10.2008, 18:09 
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Während der Diktatur war es jungen Männern über 17 nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen erlaubt, das Land zu verlassen - zu viele wanderten aus, um dem jahrelangen Militärdienst in den Kolonien zu entgehen, der allzu oft tödlich oder mit schweren Gesundheitsschäden endete.

Mehr zur Salazar/Gaetano-Diktatur:
*** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar, zum Login. ***)

Man muss, wenn der Wikipedia-Link offen ist, auf Portugal klicken - anders funktioniert's nicht, sorry !

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Zuletzt geändert von Lefteri am 05.10.2008, 18:28, insgesamt 3-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Cristo Rei
BeitragVerfasst: 05.10.2008, 18:20 
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Die Statue "Cristo Rei" auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses Tejo wurde von 1949 bis 1959 mit öffentlichen Geldern erbaut, um daran zu erinnern, dass Portugal kein Kriegsteilnehmer im Zweiten Weltkrieg war.

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BeitragVerfasst: 05.10.2008, 18:36 
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Zitat:
Die Statue "Cristo Rei" auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses Tejo wurde von 1949 bis 1959 mit öffentlichen Geldern erbaut, um daran zu erinnern, dass Portugal kein Kriegsteilnehmer im Zweiten Weltkrieg war.

Ergänzung:
Ihre Errichtung ist die Erfüllung eines Gelübdes der portugiesischen Bischöfe für den - eingetretenen - Fall, dass Portugal nicht in den Krieg hineinverwickelt wird :link:

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BeitragVerfasst: 05.10.2008, 18:42 
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Danke für den Tip, so genau habe ich dann die Reiseleitung bei der Stadtrundfahrt nicht verstanden.

Eine Ergänzung noch zu dem verlinkten Artikel, die Brücke des 25. April ist zweistöckig angelegt, im unteren Teil, direkt unter der Fahrbahn, befinden sich auch Gleise, sodass man den Tejo hier auch mit dem Zug überqueren kann.

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BeitragVerfasst: 05.10.2008, 18:52 
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Wusste ich beides vorher auch nicht.
Wusste überhaupt nicht, dass da eine Bahn drunter durch geht - ich bin einmal mit dem Zug nach Süden gefahren, da hab ich vorher die Fähre nach Barreiro genommen.

Das war überhaupt ein Abenteuer, diese Reise.

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BeitragVerfasst: 05.10.2008, 21:14 
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Hi
Tolle Zusammenfassung der Geschichte und viele tolle Informationen.
Besonders das mit der Statue finde ich interessant. Sieht auch sehr schön aus, finde ich.
Ich denke, nächstes Jahr muss ich doch noch nach Portugal reisen...
Wollte dies eigentlich schon früher mal tun, jedoch machte ich es nie.

Schöne Grüsse


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BeitragVerfasst: 06.10.2008, 15:50 
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Großartig lieber Lefteri. In dieses Forum komme ich öfter. Hier lernt man ja was!

Danke schön für einen weiteren ganz tollen Beitrag.

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